Erneuerung in Orange

Die Düsseldorfer Kommunikationsdesignerin Annika Lyndgrun fragte in ihrem lesenswerten Blogbeitrag: „Die Farbe Or­ange – Melan­cholis­cher Herbst und bil­liger Kon­sum“, ob die Farbe Orange, die in unserem Kulturkreis als Inbegriff billigen Plastik-Schicks der 70er Jahre gilt, gerade rehabilitiert wird.

In der AGD-Gruppe auf Xing wollte Annika Lyndgrun wissen, was unsere Erfahrungen mit dieser Farbe sind. 

Mein Kommentar vom 30.10.2016:

Bei meinem letzten Aufenthalt in Straßburg wurde ich von Orange, dem Mobilfunkanbieter und früheren Staatskonzern France Télécom, begrüßt.

Daraufhin fragte Annika Lyndgrun, „wie ein Mobilfunkanbieter an diesen Namen kommt.“

Mein Kommentar vom 01.11.2016:

Das habe ich mich auch gefragt. Der Name und das Logo stammen ursprünglich vom britischen Mobilfunkanbieter Orange, der im Jahr 2000 von France Télécom übernommen wurde. Die Marke wurde 1994 von Wolff Olins (Brand Consultancy) und WCRS (Advertising) kreiert.

Laut fr.wikipedia.org war France Télécom bis 2000 Blau. Danach Blau/Orange und später Grau/Orange. Das französische Unternehmen firmiert erst seit 2013 unter dem Namen der Zitrusfrucht. Seit dieser Umbenennung wird auch das britische Logo verwendet.

Vielleicht wollte der Konzern damit ein deutliches Zeichen setzen? Den Ruf des blauen Staatskonzerns („Le bleu ciel était la couleur de France Télécom“) abschütteln?

Hintergrund:
Mit der Aufhebung des Monopols für Telekommunikation und der Privatisierung des Staatskonzerns verlor France Télécom innerhalb kürzester Zeit zehntausende Kunden. Dem damaligen Management wurde vorgeworfen, es habe einen unmenschlichen Kündigungsdruck unter den Mitarbeitern aufgebaut und 35 Angestellte (2008/2009) in den Selbstmord getrieben (Quelle: FAZ 07.07.2016).

Durch die Adoption eines international verständlichen Namens – in Verbindung mit der leuchtenden Farbe und dem simplen Logo, wollte man einen Neuanfang signalisieren. Orange sollte den heterogenen Auftritt der Unternehmensgruppe (zu der auch der größte französische Internetprovider Wanadoo gehörte) vereinheitlichen und seine Werte transportieren: Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Direktheit, Einfachheit, Dynamik und Erneuerung (Quelle: http://www.orange.com). Die Verwendung einer einzigen Marke für die gesamte Angebotspalette und alle Geschäftsbereiche, hat zumindest zu einer Vereinfachung des Marktauftritts geführt.

Mein Kommentar vom 03.11.2016

Auch in der Politik steht Orange für Erneuerung. Zumindest bei der Farbrevolution 2004 in der Ukraine. Die Demonstrationen auf dem Platz der Unabhängigkeit (Maidan) markieren den Beginn einer Revolution, die nach der identifikationsbildenden Farbe Orange benannt wurde.
 
Die Bundeszentrale für Politische Bildung hat einen lesenswerten Beitrag von Bernd Schüler (Journalist, Politikwissenschaftler, Soziologe) veröffentlicht, der sich mit den politischen Karrieren von Farben befasst. Zu Orange schreibt er:

„Orange ist die wichtigste Farbe, die in den vergangenen Jahren neu auf den politischen Bühnen in Europa erschienen ist. Historisch weitgehend unbelastet und damit frei von Verknüpfungen mit klassischen politischen Richtungskämpfen, wurde Orange von verschiedensten Akteuren zur Akzentfarbe ihrer Außendarstellung erkoren….“

http://www.bpb.de/apuz/29753/farben-als-wegweiser-in-der-politik

In dem Eintrag „Politische Farbe“ auf Wikipedia steht unter „1.6 Orange“ Folgendes:

„…Als „native“ Parteifarbe hat z. B. die Ökologisch-Demokratische Partei Orange gewählt. Die Farbe tritt aber erst seit einiger Zeit auf der politischen Ebene stärker in den Vordergrund. So führte die CDU die Farbe Orange als Leitfarbe während der Europawahl 2004 ein. Die Farbe etablierte sich, sodass beispielsweise die Fahnen vor dem Konrad-Adenauer-Haus seit längerer Zeit in Orange wehen. … Neben der CDU wird die Farbe Orange zunehmend mit der Piratenpartei Deutschland in Verbindung gebracht. Das Logo der Partei enthält zu großem Teil diese Farbe. …“

https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Farbe#Orange

Als eher radikal gilt die Bruderschaft der Protestanten in Nordirland, namens Orange Order (Oranier Orden), benannt nach King Billy of Orange, dem englischen König Wilhelm III von Oranien.

Links:
https://www.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/mk_das_corporate_design_der_cdu_deutschlands_2015_internet.pdf?file=1
https://www.oedp.de/service/presse/
http://wiki.piratenpartei.de/Pirate_Design
http://www.grandorangelodge.co.uk/

©Thomas Bender

Zur Diskussion in der AGD-Gruppe auf Xing

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